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Die Geschichte mit dem Herz/ Über mein Nahtoderlebnis

11. September 2017

Mein Herz stand still und ich wurde wiederbelebt. Der Defibrillator tat mir so unglaublich weh, wie ein Boxschlag auf die Brust und noch viel schlimmer. Dazu der laute Knall des Geräts. Ich spürte das alles und war bei Bewusstsein ( jedenfalls ein wenig), ich spürte die Schläuche in meinem Hals, die Beatmungsmaske an meinem Mund. Ich spürte den Katheter in meiner Leiste. Es waren höllische Schmerzen, wie Folter fühlte sich das alles an. Ich hatte so die Schnauze voll von dem ganzen Mist und diesen Qualen. Eigentlich wollte ich nur noch erlöst werden. Plötzlich war ich oben an der OP-Decke und sah mich auf dem Op-Tisch liegen. Die Ärtze um mich, überalle waren Geräte und Schläuche und alles piepte ganz laut. Es war unerträglich laut und ich wollte aus dem Raum raus. Die Linie auf dem EKG war ganz lang und glatt , ohne Zacken. Die OP-Schwestern hatten erschrockene Gesichter und immer wieder hörte ich Sätze wie “verdammt nochmal wir verlieren sie” oder “du fängst nun wieder zu kämpfen an“. Ich lag leblos und blass auf dem Tisch liegen, meine Lippen sahen blau aus. War das wirklich ich? Bildete ich mir das alles nur ein? Was ist hier eigentlich los? Wieder diese höllischen Schmerzen im Herz und dann war ich plötzlich im Licht. Es war das wunderschönste und beeindruckenste Licht was ich jemals gesehen hatte. Die Farben kann man schwer beschreiben, sie existieren eigentlich gar nicht hier bei uns. Bis heute denke ich jeden Tag an dieses Licht und sehr oft sehnt es mich dorthin.

Ich wollte zu diesem Licht gehen und die Musik genauer hören, eine so schöne sanfte Melodie, noch nie hatte ich so eine Melodie gehört. Ich fühlte mich plötzlich gesund und leicht, so fit wie seit meiner Erkrankung nicht mehr. So sollte es bleiben dachte ich, ich versuchte  zu dem Licht und der Musik zu gelangen. Aber es war sehr schwierig dorthin zu kommen, wie eine Gegenstromanlage in einem Schwimmbad. Ich wurde richtig wütend weil ich nicht weiter kam. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie wunderschön dieser Ort war! Ich wollte unbedingt dorthin, nichts anderes war mehr in meinen Gedanken. Ich wollte einfach erlöst werden.

” Wenn meine beiden verstorbenen Onkel mit einem oder zwei Weizenbiergläsern in diesem Licht gestanden hätten, wäre ich mit einem Sprint hingelaufen , trotz Gegenstromanlage!”

Aber sie wollten mich da oben wohl alle noch nicht haben. Stattdessen spürte ich wieder diesen verdammten Defibrillator. Wieder dieser laute Knall mit dem stechenden und drückenden furchtbaren Schmerz .Es wurde ganz dunkel um mich herum. Das wunderschöne Licht und die schöne Musik waren weg. Ich war so enttäuscht. Ich spürte wieder den Schmerz, die Schläuche, die Beatmungsmaske, mein pumpendes verletztes Herz. Wie gerne wäre ich an dem schönen Ort geblieben, ich hatte keine Lust auf meinen ausgelaugten Körper.

Als ich im Aufwachraum die Augen auf machte war ich total unter Schock. Die Ärtze erzählten mir von dem Drama im OP und wie knapp es war. Sie erzählten mir ,dass die Operation aber trotzdem erfolgreich war und sie die Herzrytmusstörung in den Griff bekommen hätten. Sie erzählten mir, dass dieser Herzstillstand jederzeit zu Hause hätte passieren können und es wirklich großes Glück war, dass es im OP passiert ist.

Als ich in mein Zimmer geschoben wurde, warteten meine Mama und Frithjof auf mich. Sie waren sehr froh mich zu sehen, ahnten ja auch nicht was mit mir geschehen war. Ich war in einem Schockzustand und erzählte die Geschichte ohne Emotionen. Keine Träne floß und von dem schönen Licht erfahren sie wohl erst wenn sie diese Zeilen lesen werden. Zwei Tage nach der Operation wurde ich entlassen. Es war ein Virus auf der Station ausgebrochen und die Ärtze hatten Angst, dass ich mich anstecken könnte. Nun war ich also wieder zu Hause. Die Brandwunden von der Wiederbelebung taten noch ziemlich weh, meine Leiste war noch angeschwollen und mein Herz lief unruhig. Ich machte zu Hause einfach ganz normal weiter. Das Leben geht schließlich immer weiter und mit fünf Kindern, einem eigenen Labor und Hund sowieso.

Nach drei Wochen ging ich wieder zum Training. Sprüche wie “so schlimm kann es ja nicht gewesen sein” oder ” du siehst ja total fit aus ( mit rotem Lippenstift tut das jeder eigentlich) “begleiteten mich täglich. Von meinem Nahtoderlebnis wollten die wenigsten wissen. Es interessierte sie einfach nicht oder sie glaubten es mir wohl auch nicht. Die Ärtze übrigens schon …viele Patienten erzählen von diesem Licht. Mühsam  quälte ich mich durch die Tage, mehrmals landete ich wieder in der Notaufnahme oder bei meinem Kardiologen im St. Georg. Mühselig war das Leben geworden, schwierig war es geworden und sehr angestrengt war es geworden. Mein Leben, ich empfand es als eine große Qual. Auch wenn die Liebe von meinen Kindern mir so viel Kraft gab. Sie haben die Zeit so toll durchgestanden, sich nie beschwert und waren immer lieb ( fast immer). Jedes EKG blieb schlecht, die Herzrytmusstörungen waren immer noch nicht weg. Ständig war mir übel und schwindelig.

“Bist du sicher, beim richtigen Arzt zu sein?” Oder ” es muss doch mal langsam wieder gut sein!”

Ja ich war beim besten Kardiolgen überhaupt und nein es muss gar nichts. Mir war von Anfang an klar wie schwer ich erkrankt war und wie steinig der Weg würden werde und so kam es dann auch leider. Wir feierten Weihnachten, Silvester, die ganzen Wintergeburtstage in unserer Familie. Meine Herz beruhigte sich trotzdem nicht.Die Grippeimpfung stand wieder an.Dieses Jahr gab es nur den eine Impfstoff, ich empfand das als so unglaublich ungerecht.

Immer wieder versuchte ich gesund zu werden, mir selbst Mut zu machen. Aber es gelang mir einfach nicht. Die Beziehung zu Frithjof wurde schwierig. Fortsetzung folgt….

Bis zum nächsten Artikel,

Eure Isi

 

 

 

 

 

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