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Über einen Elternabend der in der Notaufnahme begann / Die unendliche Geschichte mit dem Herz

6. Oktober 2017

Es war ein ganz normaler Dienstag vor zwei Wochen, es stand mal wieder ein Elternabend an. Da wir fünf Kinder haben ist es wirklich immer ein Marathon, wir versuchen zu jedem Elternabend zu gehen, da wir jedem Kind gerecht werden wollen. An diesem Dienstag war der vierte Elternabend dran, ein besonders wichtiger, denn er fand in Lillys Schule statt. Lilly ist unsere älteste Tochter und mittlerweile in der 9. Klasse, es wird nun  langsam so richtig ernst. Normalerweise gehen wir nicht zusammen zu den Elternabenden, aber zu diesem schon, Lillys Schule ist etwas weiter weg, wir fahren 30 Minuten mit dem Auto hin. Die Parkplatzmöglichkeiten sind so eine Sache in Hamburg, wir hatten wirklich Schwierigkeiten einen Parkplatz zu finden und die Zeit wurde knapp.

Wir fanden endlich einen Parkplatz, er war direkt neben dem AK St. Georg, in diesem Krankenhaus wurde ich fünfmal operiert, in diesem Krankenhaus habe ich um mein Leben kämpfen müssen. Da wir es sehr eilig hatten , beschloss Frithjof durch das Krankenhaus zu Lillys Schule zu gelangeb. Eine Abkürzung sozusagen, mir war mulmig zumute, aber ich ging trotzdem mit. Da stand ich also plötzlich mitten in der Notaufnahme, zweimal war ich dort gewesen, alle Erinnerungen kamen hoch. Sie kamen mit so einer Macht in mir hoch, dass mir schlecht wurde. Mein Herz schlug heftig gegen meinen Brustkorb und ich sah wieder alles vor mir.

Ich sah den Op, die Ärzte, fühlte meinen Schmerz im Herzen, der Geruch war noch immer gleich, Krankenhausgeruch halt aber anders als in anderen Krankenhäusern. Die Wiederbelebung, die Schläuche überall, mein Nahtoderlebnis, alles war sofort wieder präsent. Ich musste mich so zusammenreißen, Frithjof merkte von all dem nichts. Wie denn auch… dieses Trauma kann niemand nachempfinden der es nicht selbst erlebt hat. Ich befand mich in einer Schockstarre, am liebsten hätte ich mich auf den Boden gelegt.

Aber dann rief Frithjof nach mir, ich solle mich beeilen, der Elternabend beginnt gleich. Ich eilte hinter ihm her, mit einem pochenden Herzen und einer verletzten Seele. Auf dem Elternabend angekommen konnte ich mich die erste Stunde gar nicht auf die Themen konzentrieren. Aber dann schaute mich Frithjof an, unsere Blicke trafen sich, auch wenn er meine Gedanken wohl eher nicht lesen konnte , so fühlte ich mich doch so beruhigt.

Für einen Elternabend war dieser sehr informativ….haha..ihr wisst ja was ich schon so auf Elternabenden erlebt habe. Der Rückweg führte wieder durch die Notaufnahme des AK St. Georgs,die Gänge waren leer, es herrschte wohl gerade wenig Betrieb. Der Geruch stieg mir wieder in die Nase,mein Herz klopfte wieder stark, ein kleines Kind lief uns plötzlich entgegen. Das wunderschöne engelsgleiche Mädchen lächelte uns an, wir lächelten zurück und plötzlich war es wieder weg. War es wirklich dort gewesen? Wir denken schon…aber der Moment war irgendwie unheimlich.

Ich nahm Frithjofs Hand und er nahm meine Hand, wir gingen zusammen und gemeinsam aus dem Krankenhaus raus. Diesen Moment und die besondere Stimmung an diesem Abend, ein Abend in Lillys Schule, ich werde ihn wohl nie vergessen.

Alles Liebe von eurer,

Isi

 

 

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2 Comments

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    Reply Alex 11. Oktober 2017 at 18:37

    Oha, das war bestimmt ein komisches Gefühl.

    • Isi
      Reply Isi 12. Oktober 2017 at 15:55

      oh ja das war es! LG Isi

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