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Der Satz “für ein paar Minuten klinisch Tot” und seine Konsequenzen für mich

3. Januar 2018

Warum mich ein Satz aus meinen Krankenhausunterlagen am Schlafen hindert

Es war wohl etwas voreilig von mir zu denken, dass ich die Geschichte mit dem Herz schon gut verarbeitet habe. Aber es sah wirklich danach aus und es ging mir auch von Tag zu Tag besser. Die Träume wurden besser, der Schlaf wurde ruhiger, das Geräusch von der Wiederbelebung verblasste langsam, ich konnte mir wieder Berichte über Krankenhäuser und Krankheiten angucken und durchlesen. Sogar meine geliebten Arzt-und  Krankenhausserien schaute ich mir wieder gerne an.

Auch tagsüber dachte ich viel weniger über das ganze Drama nach, manchmal merkte ich sogar gar nicht mehr, dass mein Herz seit der Entzündung anders schlägt und manchmal so komisch pocht. Ich gewöhnte mich auch langsam daran, dass mein Puls nun statt 110 nur 50 Schläge pro Minute schlägt. Ich lernte in den vergangenen Monaten sogar nicht ständig in mich hinein zu horchen, aber trotzdem sehr achtsam mit meinem Körper umzugehen.

Ihr solltet das auch jeden Tag tun, denkt immer daran, ihr habt nur diesen einen Körper und er ist sehr kostbar. Gesundheit ist unser kostbarstes Gut und wir leben nur einmal. Ich weiß nun wirklich ganz genau wie glücklich man sein kann und muss, wenn man ganz gesund ist. Es gibt nichts schlimmeres als schwere Krankheiten und ihre Auswirkungen auf unsere Psyche. Denkt immer daran euer Leben zu schätzen und dankbar zu sein, auch wenn es mal blöde Tage gibt.

Ich erzähle euch nun warum ich plötzlich wieder Probleme mit dem Einschlafen bekommen habe, warum ich plötzlich nachts wieder schweiß gebadet aufwache und danach wieder schwer in den Schlaf finde. Warum ich wieder ständig an die vergangenen Monate denken muss und irgendwie alles wieder hoch kommt. Sogar die Angst vor einem erneuten Herzstillstand und die Angst eine Erkältung zu bekommen. Denn letztendlich können alle Viren eine Entzündung im Herzen hervorrufen, auch ein scheinbar harmloser Magen-Darm Infekt. Früher habe ich darüber nicht nachgedacht, heute denke ich täglich darüber nach.

Vor ein paar Wochen wühlte ich in einer Schublade rum, eigentlich wollte ich sie endlich mal aufräumen. In dieser Schublade befinden sich die ganzen Unterlagen meiner zahlreichen Krankenhausaufenthalte, Notaufnahmenberichte, Op-Berichte, Unterlagen von den Kardiologen und die vielen Arztrechnungen. Plötzlich lag er vor mir, der ausführliche Bericht aus dem OP,es ist nur ein verdammtes Blatt gewesen und trotzdem hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Am liebsten wäre ich umgekippt, mir wurde schlecht und Tränen flossen über die Wangen.

Eigentlich habe ich nur das gelesen was eigentlich logisch war, aber nie hatte mir ein Arzt diesen Satz offen ins Gesicht gesagt. Es wäre so wichtig für mich gewesen. Ich war klinisch Tot, so steht es in dem Bericht, “klinisch Tot bedeutet laut Definition:” Der klinische Tot ist von einem völligen Kreislaufstillstand  gekennzeichnet . Fehlen von Atmung, kein Puls, fehlende Reflexe, Blässe und Blaufärbung der Haut. Entscheidend ist, dass innerhalb der Wiederbelebungszeit eine Reanimation gelingen kann.”

Mir ist erst beim Lesen dieser Worte richtig klar geworden wie knapp es wirklich war. Es war verdammt knapp, ich wäre wirklich fast draufgegangen, einfach im Op gestorben, ganz alleine, ohne meine Familie. Den Kampf um mein Leben habe ich zwar gewonnen, aber die Narben bleiben. Nun habe ich es endlich begriffen und es hat mich sehr verändert. In meinen Träumen verarbeite ich das nun endlich, auch das Schreiben hier hilft mir wirklich sehr. Irgendwann werde ich es geschafft haben, dann werde ich meinen Frieden mit der Geschichte gefunden haben. Auch wenn sie für immer ein Teil von einer Geschichte sein wird. Für immer und bis in die Ewigkeit.

Alles Liebe von,

Isi

 

 

 

 

 

 

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